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Du bist du

– Ich liebe dich für das was du bist und nicht für das was du tust –

 

Bereits an deinem ersten Tag,

mit deinem ersten Augaufschlag,

mit deinem allerersten Schrei

zeigst du dein Naturtalent,

Willen, der kein »Aber« kennt.

Sagst: »Ich bin jetzt auch dabei!«

 

Wie ein Kenner trinkst du schon,

greifst nach dem roten Luftballon.

Bald folgt wohl das erste Lachen,

endlos ist dein Potential.

Was macht das Nachbarskind? – Egal!

Was wirst du als nächstes machen?

 

Doch ich wag es kaum zu sagen:

Deine Handlung ist nicht das, was zählt,

nicht für Leistung hab ich dich gewählt.

Du bist du – mehr braucht es nicht.

Du bist du – was du tust, wie und wann,

niemals hängt mein Herz daran!

Es ist dein Sein, das zu mir spricht.

 

Du gehst nun in den Kindergarten,

fühlst dich groß, kannst kaum erwarten,

dich dem Leben zu beweisen.

Du bist der Mutigste von allen,

kennst die Angst nicht vor dem Fallen,

willst um deine Mitte kreisen.

 

In der Schule wirst du dann gemessen,

lernst und eiferst wie versessen.

Der Durchschnitt macht die Note.

Der eine sagt dir: »Gut gemacht«,

vom andren wirst du ausgelacht,

das ist der Leistung erster Bote.

 

Doch, ich wag es kaum zu sagen ...

 

Bald stehst du auf eignen Beinen,

bist unabhängig und brauchst meinen

Rat und Halt nicht mehr.

Familie, Arbeit, Freizeit, Glück,

du meisterst alles Stück für Stück,

ich lass dich los und freu mich sehr.

 

Leben, lernen, delegieren,

unternehmerisch regieren.

Du bist des Handelns Speer.

Doch seh’ ich in dir auch das kleine

Kind von damals hilflos weinen,

nicht weniger und auch nicht mehr.

 

Doch, ich wag es kaum zu sagen ...