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Ein Knurren auf liebevolle Weise

– Manchmal werde ich »nein« sagen, weil ich dich liebe –

 

Im hellen Licht der Mittagssonne

liegt sie im Schatten der Akazie,

die weithin über die Savanne sichtbar

ist, mit einer Grazie,

die Größe, Kraft und Lust verspricht.

Der warme Fels in ihrem Rücken.

Ihr stolzer Kopf, liegt auf ihren Pfoten,

lässt jeden Löwenmann entzücken.

Doch hat die Löwenfrau

für Männerspielchen heut keine Zeit.

Obwohl die Augen halb geschlossen,

ist sie von größter Wachsamkeit.

 

Vor ihr im Schatten der Akazie

tummeln sich ihre vier Löwenjungen.

Sie jagen, kugeln, spielen, tapsen,

ihr zu Gefallen hecheln Zungen

Mit einem Aug schau’n sie auf sie,

die nur zum Schein dort schlummernd ruht,

die Löwin ihrerseits gibt Acht,

dass sich keiner Schaden tut.

Die Kleinen, außer Rand und Band,

treiben’s bunt und immer bunter.

Wann ist wohl der Punkt erreicht,

dass sie den Schlussstrich zieht darunter?

 

Endlich hören sie es leise:

Ein Knurren, das auf liebevolle

Weise ihnen sagt: »Es reicht,

ab hier nicht weiter! Die Kontrolle

liegt bei mir und nicht bei euch.

Wer’s nicht glaubt, der heb’ die Pfot,

demokratisch ist das nicht,

ab hier gilt nur noch mein Gebot:

Vertraut in mich. Ich kenne alle

Tricks und Tücken der Savanne,

ich lehr sie euch und lass euch Freiheit,

innerhalb der Regeln Spanne.«

 

Zwei von vieren glauben’s ihr.

Bisher sind sie nur gut gefahren,

mit dem Vertrauen in die Alte,

die ohne lächerlich Gebaren

sie in das Leben eingewiesen.

Doch der dritte will es wissen:

»Was passiert, wenn ich es mache?

Was ist hinter den Kulissen?«

Er treibt es weiter toll und toller,

bis es »rums« macht und er rollt

vom Felsen in den Stachelstrauch –

Autsch! Der Schmerz war nicht gewollt!

 

Der vierte kleine Löwe hat sich

über diesem lauten Rummel

von dem Felsen weggeschlichen,

auf den Weg zu einem Bummel

durch die Wildnis. Hiervon hat er

lang geträumt – nun ist’s soweit!

Die Freiheit ruft, er pirscht durchs Gras,

er fühlt sich wohl ohne Geleit.

Nach einem wunderbaren Rundgang

fragt sich Löwe Nummer vier:

»Wo bitte ging’s nochmal nach Hause?

Hilfe, wo ist mein Revier?!«

 

Endlich hört er es ganz leise ...

 

Ganz vorsichtig nimmt sie den Kleinen

am Genick mit ihrem Maul,

bringt ihn nach Haus zu den Geschwistern,

die in der Abendsonne faul

auf den Abenteurer warten.

Sanft stupst sie ihre Kleinen:

»Ab ins Bett, es ist genug. Ich geh zum Date

mit meinem Löwenmann,

ich freu mich schon!«

Erhebt sich und mit leichtem Beben

schreitet sie geschmeidig leis

 

 

dem Sonnenuntergang entgegen.